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Bluthochdruck Ursachen

Ursachen, Risikofaktoren, Entstehung und Folgen des Bluthochdrucks sind kaum voneinander zu trennen. Die Hypertonie ist eine recht vielseitige Wohlstandskrankheit, die fast immer mit Umwelt- und Ernährungsfaktoren verbunden ist. Dies gilt vorwiegend für den primären oder essenziellen Bluthochdruck, aber manchmal auch für die sekundäre Hypertonie, bei der körperliche Krankheiten als auslösende Hauptursache im Vordergrund stehen.

Im Folgenden wird auf die Frage eingegangen, was alles zur Entwicklung einer Hypertonie beitragen kann.

Erbliche Faktoren

Daten

Hoher Blutdruck kommt in manchen Familien gehäuft vor. Man geht von einem polygenen (= durch mehrere Gene bedingten) Erbgang aus. Außerdem besteht eine Verbindung zwischen der Höhe des Blutdrucks der Eltern und dem ihrer leiblichen Kinder. Eineiige Zwillinge haben in der Regel ähnliche Blutdruckwerte.

Wahrscheinlich 50 Prozent der Hypertoniker sind mit einer erblichen Veranlagung vorbelastet.

Entwicklung

In der Kindheit macht sich diese Veranlagung meist noch nicht bemerkbar, aber unter dem Einfluss weiterer Faktoren (Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress oder zu hoher Kochsalzzufuhr) entwickelt sich eine Erkrankung mit dauerhaftem Bluthochdruck. Dies geschieht meist ab dem mittleren Erwachsenenalter.

Welche Regulationsstörung die Hypertonie begünstigt, ist nicht im Detail geklärt. Man vermutet, dass die Ursache in einer Regulation des Salzhaushaltes liegt.

In diesem Zusammenhang passt auch die Beobachtung, dass Nierentransplantierte, die vor der Transplantation einen normalen Blutdruck aufwiesen, mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Erhalt der Niere eines Hypertonikers ebenfalls einen hohen Blutdruck entwickeln. Es besteht ein Zusammenhang mit der Anzahl der Nephrone (= kleinste Filtereinheit der Nieren), von denen bei hypertensiven Menschen weniger in den Nieren vorhanden sind als bei Menschen mit normalem Blutdruck.

Risikofaktoren

Übergewicht

Jeder zweite Übergewichtige hat Bluthochdruck. Umgekehrt weisen fast zwei Drittel aller Bluthochdruckkranken zu viel Gewicht auf.

Zu viel Körpergewicht ist der wohl wichtigste und häufigste Auslöser für eine Hypertonie.

Die physiologischen Zusammenhänge zwischen Hypertonie und Übergewicht sind Folgende: Je größer die Körpermasse ist, desto mehr Blut ist nötig, um den Körper zu versorgen (= erhöhtes Blutvolumen). Dies bedingt auch eine Mehrarbeit des Herzens (= gesteigertes Herzzeitvolumen). Leicht steigt durch diese Mehrarbeit der Blutdruck an.

Häufig ernähren sich übergewichtige Menschen auch zu fettreich. Insbesondere ein Zuviel an tierischen Fetten (zu viel Cholesterin) kann den Blutgefäßen schaden und die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) vorantreiben. Diese wiederum ist allein für sich schon ein weiterer Faktor, der durch die Gefäßverengung und geringere Gefäßelastizität einen hohen Blutdruck begünstigt.

Umgekehrt kann man auch beobachten, dass der Blutdruck fällt, wenn das zu hohe Gewicht abgenommen wird. Pro Kilogramm abgenommenes Körpergewicht sind es etwa 2 mmHg.

In der ärztlichen Praxis wird das Risiko, das von zu viel Körpergewicht ausgeht, mit Hilfe des sogenannten BMI (=Body-Mass- oder Körper-Masse-Index) ermittelt. Er errechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Entsprechende Tabellen sind in der Fachliteratur und jeglicher Gesundheitszeitschrift zu finden.

Aus dem BMI-Wert kann in Abhängigkeit vom Alter ermittelt werden, ob Normal-, Unter- oder Übergewicht vorliegt.

Ab einem BMI von über 30 ist eine Gewichtsabnahme aus medizinischen Gründen dringend erforderlich.

Körperfettverteilung

Nicht nur das Gesamtkörperfett ist ausschlaggebend für eine Stoffwechselstörung mit hohem Blutfettspiegel, sondern wichtig ist zudem die Fettverteilung.

Das sogenannte weibliche Fettverteilungsmuster mit Betonung der Hüften und weniger Bauch (Birnenform) ist mit einem geringeren Herzinfarktrisiko verbunden als die typisch männliche Variante mit Betonung des Bauchfetts (Apfelform).

Welche Fettverteilungsform vorliegt, kann einfach ermittelt werden.

Man misst dazu den Umfang der Taille unterhalb der Rippenbögen, etwas oberhalb des Bauchnabels, und den Hüftumfang in Höhe der vorderen Beckenknochen.

Die gemessenen Zentimeter werden zueinander nach folgender Formel in Beziehung gesetzt: Taillenumfang geteilt durch Hüftumfang.

Die Normalwerte liegen für Frauen unter 0,8; für Männer liegt dieser Wert unter 1,0.

Werte, die bei Frauen über 0,8 liegen und bei Männern über 1,0, werden als kritisch angesehen. Mit einer Zunahme des Bauchfettes steigen nicht nur die Risiken für hohe Blutfettspiegel, sondern es steigen auch die Risiken für Bluthochdruck, Diabetes und koronare Herzkrankheit.

Kochsalzzufuhr

Bei Naturvölkern, die für gewöhnlich wenig Kochsalz zu sich nehmen, ist ein arterieller Bluthochdruck fast unbekannt. Auch in Kriegszeiten ist Hypertonie eine seltene Krankheit.

In den westlichen Industrienationen übersteigt die täglich zugeführte Kochsalzmenge von 10 – 15 Gramm pro Tag bei weitem den geschätzten Mindestbedarf von einem Gramm pro Tag.

Bei entsprechender genetischer Veranlagung führt diese hohe Kochsalzaufnahme zur Entwicklung einer Hypertonie. Dies kann auf mehrere Mechanismen zurückgeführt werden:

Kochsalz bindet im Körper das lebenswichtige Wasser. Gelingt es aus irgendeinem Grunde den Nieren nicht, das überschüssige Wasser und Salz loszuwerden (bsp. aufgrund genetischer Veranlagung) so erhöht sich die Blutmenge. Ein zu großes Blutvolumen begünstigt den hohen Blutdruck.

Umgekehrt kann durch eine diätische Reduktion der Salzmenge (ca. 5 Gramm pro Tag) bei einem Großteil der Hypertonie-Patienten das Blutdruckniveau reduziert werden.

Außerdem steigert das Kochsalz die Bereitschaft der Blutgefäße, sich zusammenzuziehen und somit den Blutdruck auch indirekt zu erhöhen. Die Muskelzellen der Gefäßinnenwände werden durch das Kochsalz empfindlicher und sie ziehen sich länger zusammen als nötig. Verharren die Gefäßmuskeln mehr oder weniger in einem Gefäßkrampf, so führt dies zu einem anhaltend hohen Blutdruck.

Demgegenüber wirken zugeführtes Kalium (Obst und Gemüse) sowie Kalzium im Gegensatz zum Natrium blutdrucksenkend.

Stress

Stress im negativen Sinne bedeutet eine überwiegende Anspannung durch bestimmte Stressfaktoren. Zu ihnen zählen: Ärger, Zeitdruck, Hektik, familiäre, berufliche und finanzielle Probleme, Arbeitslosigkeit, Überforderung, Eheprobleme, schwere Erkrankungen in der Familie usw..

Sind wir diesen Stressfaktoren, die auch Stressoren genannt werden, über einen längeren Zeitraum ausgesetzt, so spricht man von chronischem Stress.

Die physische Reaktion auf diesen Stress kann von Mensch zu Mensch völlig unterschiedlich ausfallen. Denkbar sind Schwindel, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Schlafstörungen, Depressionen, Herzbeschwerden, Nervosität oder eben auch Bluthochdruck. Als wahrscheinlichste Ursache für die verschiedenen Stressreaktionen nimmt man eine gewisse genetische Veranlagung an.

Was passiert nun bei einer Stressreaktion in unserem Körper?

Eigentlich ist die Stressreaktion ein Erbe unserer Vorfahren, die viele Millionen Jahre auf schnelle Reaktionen von Blutkreislauf, Stoffwechsel und Blutgerinnung angewiesen waren, wenn sie im Urwald oder der Steppe überleben wollten. Hierzu musste der Körper für Angriff und Flucht sehr schnell Kräfte mobilisieren. Es bedurfte ausreichender Energie in Form von Zucker und Fetten, Blutdruck und Puls mussten schlagartig in die Höhe schnellen und die Muskeln ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Auch die Blutgerinnung musste im Verletzungsfall sofort bereitstehen. Die für Angriff und Flucht nicht unbedingt notwendigen Systeme, wie das Immunsystem, wurden/werden heruntergefahren.

Ausgelöst und reguliert wurde und wird diese Stressreaktionen durch Nervenimpulse (Sympathikusreiz) und Stresshormone.

Bei Anzeichen einer drohenden Gefahr oder Symptomen einer gefährlichen Belastung, die heutzutage u.a. auch Zeitdruck, Lärm und Hektik sein können, werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet. (Bei einem Hypertoniker sogar in vermehrtem Maße). Die wichtigsten Vertreter sind die Nebennierenrindenhormone Adrenalin und Cortison. Adrenalin, welches auch das Flucht-und-Kampf-Hormon genannt wird, lässt das Herz schneller schlagen und erhöht damit seine Pumpleistung. Die Blutgefäße verengen sich, die erhöhte Durchblutung vermehrt die Leistung von Muskeln und Gehirn und der Atem beschleunigt sich, um vermehrt Sauerstoff aufzunehmen. Cortison unterdrückt bsp. bestimmte Abwehrzellen.

Diese für unsere Vorfahren lebensrettende Stressreaktion kann sich in der heutigen Zeit fatal auswirken. Nach wie vor reagiert unser Körper auf Stress nach dem gleichen Muster wie der unserer Vorfahren, jedoch bauen wir ihn nicht durch körperliche Aktivität ab, weil für angenehme Freizeitbeschäftigungen oft keine Zeit mehr bleibt oder man sich einfach nicht mehr aufraffen kann, noch abends Sport zu machen.

Die Stresshormone verbleiben so länger in unserem Körper, als wir sie bräuchten.

Die modernen Stressfaktoren treffen uns auch eher bei körperlicher Ruhe, beispielsweise wenn wir am Schreibtisch sitzen. Bei Ärger im Beruf oder bei Prüfungsstress können wir nicht fliehen, sondern müssen da bleiben, obwohl unser Körper auf Flucht programmiert ist. Den hohen Blutdruck oder Blutzuckerspiegel benötigen wir in dieser Situation eigentlich gar nicht in diesem Ausmaß. Für den Blutdruck hat das schlechte Auswirkungen, da die Stresshormone ihn dauerhaft in die Höhe jagen können.

Alkohol

Alkoholkonsum ist von großer Bedeutung für die Entwicklung eines Bluthochdrucks. Chronisch hoher Genuss kann die Ursache für eine schwere Hypertonie sein. Bei Männern kann bereits ein Liter Bier oder ein halber Liter Wein am Tag ausreichen, um den Blutdruck dauerhaft zu erhöhen. Bei Frauen ist nur die halbe Menge für eine negative Auswirkung erforderlich. Frauen reagieren auf Alkohol empfindlicher. Allerdings ist die individuelle Alkoholverträglichkeit bei beiden Geschlechtern auch sehr unterschiedlich.

Die maximale Alkoholzufuhr pro Tag sollte folgende Werte nicht überschreiten:

20 – 25 Gramm Alkohol entsprechen etwa: ¼ Liter Wein oder ½ Liter Bier oder 2 – 3 Schnäpsen. Aus medizinischer Sicht gibt es aber keinen risikofreien Alkoholkonsum, da die Alltagsdroge auf den gesamten Organismus wirkt. Sie führt neben ihrer Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System auch zu weitreichenden immunologischen und metabolischen Veränderung und kann somit akute und chronische Organveränderungen auf den Weg bringen.

Die negativen Auswirkungen des Alkohols in Bezug auf den Bluthochdruck lassen sich mit folgenden Mechanismen erklären: Alkohol erhöht die Herzfrequenz sowie das Herzzeitvolumen und aktiviert zusätzlich das sympathische Nervensystem. Außerdem enthält Alkohol viele Kalorien. Etwa ein Gramm hat sieben Kalorien. Alkohol fördert also die Entstehung von Übergewicht und trägt zur Erhöhung der Blutfettwerte (Cholesterin, Triglyceride) bei. Beides wirkt sich negativ auf das Gefäßsystem und den Bluthochdruck aus.

Umweltbelastungen

Besondere Umweltbelastungen, wie Lärm oder Hitze, können den Blutdruck anheben. Untersuchungen haben erbracht, dass es in Gebieten mit verstärktem Straßenlärm mehr Bluthochdruckkranke gibt, als in ruhigen Gebieten. Dies gilt auch für Gebiete mit erhöhter Fluglärmbelastung.

Auch ein zu lauter oder zu heißer Arbeitsplatz kann sich ungünstig auswirken. Daneben können sich auch erhöhte chemische Belastungen mit den Metallen Cadmium, Blei oder Thallium negativ auf den Blutdruck auswirken.

Bewegungsmangel

Menschen, die sich wenig bewegen, leiden eher unter Bluthochdruck als Menschen, die regelmäßig körperlichen Aktivitäten nachgehen. Dazu zählen auch moderate körperliche Aktivitäten, bei denen man etwas schwerer und schneller als normalerweise atmen muss und in leichtes Schwitzen gerät. Dies kann Radfahren oder strammes Spazierengehen sein.

Das amerikanische „Center for Disease Control“ empfiehlt Erwachsenen derzeit mindestens eine halbe Stunde moderate körperliche Aktivität pro Tag. Dazu zählen neben der rein sportlichen Aktivität auch andere Bewegungen, wie beispielsweise bei der Arbeit, zu Hause oder bei der Fortbewegung.
Einen noch größeren Nutzen in Bezug auf die Gesundheit wird jedoch sportlicher Betätigung zugeschrieben.

Bewegungsmangel wirkt sich ungünstig aus, da er eng mit der Entwicklung von Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem metabolischen Syndrom verbunden ist. Bewegung dagegen hilft auch Stress abzubauen, der ein Gefäßrisiko darstellt.

Schlafapnoe / Schnarchen

Mit Schlafapnoe bezeichnet man eine Atemstörung, die im Schlaf auftritt und mit regelmäßigem lauten Schnarchen verbunden ist. Beim Schnarchen kann es zu bedrohlichem Sauerstoffmangel kommen, wenn dabei Atempausen (= Apnoe) auftreten. Diese Pausen dauern beim Schlafapnoesyndrom länger als 10 Sekunden und kommen gehäuft vor. Dabei erschlafft die Rachenmuskulatur extrem und blockiert vorübergehend die oberen Luftwege.

Da diese Atemstörung oft gemeinsam mit Bluthochdruck auftritt, wurden ursächliche Zusammenhänge vermutet und teilweise auch nachgewiesen. Beobachtet wurde auch ein Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und einer deutlichen Blutdrucksteigerung in der Nacht.

Untersuchungen dazu, inwieweit die Schlafapnoe ein Risikofaktor für die Hypertonie darstellt, sind bisher wenige bekannt.

Wichtige Verhaltensregeln, mit denen sich ein Schlafapnoesyndrom verhindern oder mildern lässt, sind:

Ein weiterer Zusammenhang scheint auch zwischen Schnarchen und Hypertonie zu bestehen. Schnarcher haben häufiger hohen Blutdruck als Normotoniker. Sie sollten daher unbedingt ihren Blutdruck überprüfen lassen. Schnarcher sind auch häufiger übergewichtig als Nicht-Schnarcher. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Begleitfaktoren

Rauchen

Die schädlichen Inhaltsstoffe, die im Zigarettenrauch enthalten sind, können nicht nur Krebs erzeugen, sondern auch auf die Blutgefäße wirken sie in negativer Weise ein.

Zum einen hat Nikotin einen gefäßverengenden Effekt. Der Gefäßwiderstand verändert sich und der Blutdruck steigt (eher kurzfristiger Effekt).

Des Weiteren fördert Rauchen die Entstehung der Arteriosklerose, die langfristig dafür verantwortlich ist, dass der Blutdruck ansteigt.

Haben Raucher einen hohen Blutdruck, so ist ihr Risiko für einen Herzinfarkt nicht nur verdoppelt, sondern vervierfacht.

Kaffee

Kaffee führt - entgegen einer weit verbreiteten Meinung - nicht zu Bluthochdruck. Der blutdrucksteigernde Effekt ist nur gering und tritt auch nur bei Personen auf, die nicht an das Koffein gewöhnt sind. Der Blutdruckanstieg lässt sich auch nur kurzzeitig beobachten. Wird Kaffee als Genussmittel in geringen Mengen und nicht als Aufputschmittel in großen Mengen eingesetzt, gilt er als unbedenklich. Empfehlungen, Kaffee oder Tee zu meiden, liegen nicht vor.

Sonstige Faktoren

Übermäßiger Lakritzkonsum

Lakritze kann durch die enthaltene Glyzyrrhetinsäure zu einer Blutdruckerhöhung führen (Aldosteronwirkung). Allerdings müssen dazu erhebliche Mengen konsumiert werden (> 500 Gramm pro Tag). Dies gilt in ähnlicher Weise auch für Pastis (Anisschnaps) und Kautabak.

Medikamente

Eine Reihe von Medikamenten kann zu einer unerwünschten Blutdruckerhöhung führen:

Weitere Medikamente, die zu einem Blutdruckanstieg führen können, sind:

Der Konsum von bestimmten Drogen kann auch zu einer Erhöhung des Blutdrucks führen. Dazu zählen Kokain, Ecstasy und Amphetamine.

Begleiterkrankungen

Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)

Viele Diabetiker haben auch gleichzeitig zu hohen Blutdruck. Zudem kann Übergewicht und ein gestörter Fettstoffwechsel vorhanden sein. Dieser Symptomkomplex des metabolischen Syndroms könnte über die mit ihm verbundene sogenannte Insulinresistenz des quer gestreiften Muskelgewebes eine Schlüsselrolle bei der Entstehung des primären Bluthochdrucks spielen.

Insulin wird von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet und ist das einzige Hormon, das die Glukose (Traubenzucker) an ihren Wirkort – beispielsweise in die Muskelzellen - schleusen kann, wo dieser Zucker der Energiegewinnung dient.

Wirkt das Insulin nicht so wie vorgesehen oder wird vom Körper (bsp. Muskelzellen) nicht richtig angenommen, so spricht man von Insulinresistenz. Aufgrund der verminderten Wirkung des Insulins schüttet die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin aus, um die mangelnde Wirkung auszugleichen.

Die Hypothese ist nun, dass diese Hyperinsulinämie (= zu viel Insulin im Blut) nicht nur zum Diabetes führen kann, sondern auch zum Bluthochdruck. Man geht von zwei Wirkmechanismen aus:

Metabolisches Syndrom

Das gemeinsame Auftreten von Bluthochdruck mit starkem Übergewicht (Adipositas), Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) bzw. gestörter Glukosetoleranz oder Insulinresistenz bezeichnet man als Metabolisches Syndrom. Es wird auch Wohlstandssyndrom genannt.
Man denkt heutzutage, dass die Insulinresistenz und das Übergewicht bei der Krankheitsentstehung eine Schlüsselrolle spielen.

Die Stoffwechselprozesse der einzelnen Krankheitsbilder beeinflussen und bedingen sich gegenseitig. Patienten mit Metabolischen Syndrom weisen ein deutlich erhöhtes kardiovaskuläres (= das Herz und die Gefäße betreffendes) Risiko auf.

Erhöhte Harnsäure (Hyperurikämie)

Harnsäure im Blut entsteht beim Abbau von sogenannten Purinen (bsp. Bestandteile der Nukleinsäuren -> Erbinformation). Sie werden mit der Nahrung aufgenommen - vor allem über den Verzehr von Fleisch - und können auch selbst vom Organismus gebildet werden. Ihre Ausscheidung erfolgt zu 80 Prozent über die Nieren.

Eine erhöhte Harnsäurekonzentration (= Hyperurikämie) im Blut kann eine schmerzhafte Gicht auslösen. Die Hyperurikämie führt jedoch nicht als eigenständiger Faktor zu Herz- und Gefäßerkrankungen.

Aber die häufige Kombination mit anderen Risikofaktoren stellt eine Gefahr für das Herz und die Gefäße dar. Ein erhöhter Harnsäurewert ist ein empfindlicher Hinweis für eine Ernährung mit zu viel Fleisch und Alkohol.

Erhöhte Harnsäurewerte kommen bei Hypertonikern häufig vor. Mögliche Gründe dafür sind eine verringerte Harnsäureausscheidung durch Nierenerkrankungen. Letztere können die Folge oder Ursache einer Hypertonie sein. Die erhöhten Werte sind auch bei der Einnahme von Diuretika („Wassertabletten“) zu beobachten, die häufig bei Bluthochdruck verordnet werden.

Fettreiche Kost, Fettstoffwechselstörungen

Fettreiche Kost mit einem hohen Anteil an Cholesterin und gesättigten Fettsäuren kann zur Blutdrucksteigerung beitragen. Der Prozess beruht auf einer Ablagerung von Fettstoffen und Kalksalzen an den Gefäßinnenwänden der Arterien. Dadurch verhärten und verengen sich die Adern. Man spricht von Arteriosklerose oder „Arterienverkalkung“. Eigentlich ist dies ein natürlicher Alterungsvorgang. Krankhaft ist er nur, wenn er beschleunigt abläuft. Ein Zuviel an tierischem Fett kann zur Beschleunigung beitragen.

Cholesterin ist nicht ein von Grund auf schlechtes Fettmolekül, dessen einziges Verlangen es ist, Plaques (Ablagerungen) in den Gefäßen zu bilden. Dies mag uns so manche Werbung Glauben machen.

Cholesterin, das zu den Lipiden (Fetten) zählt, hat im menschlichen Körper eine Reihe von Funktionen und kann auch vom Organismus selbst hergestellt werden. So ist es ein zentrales Strukturmolekül der Zellmembranen und das Ausgangsmolekül für die Synthese der Gallensäuren, des Vitamin D und der Steroidhormone. Zu ihnen zählen die Sexualhormone (Östrogene und Androgene) und die Hormone der Nebenniere (Cortisol, Aldosteron). Aber ein Zuviel von ihm ist schädlich für die Gefäße.

Wie kann man sich nun den Verkalkungsprozess vorstellen?

Er beginnt langsam in der Gefäßinnenhaut. Fresszellen (Makrophagen) nehmen bei einem erhöhten Cholesteringehalt des Blutes (genauer: erhöhter LDL-Cholesteringehalt des Blutes) Cholesterin auf und bilden Fettstreifen. Diese „Schaumzellen“ setzen sich an der Gefäßinnenhaut fest und beschädigen sie. Zusätzlich lagern sich genau in diesen Arealen Blutplättchen und abgestorbene Muskelzellen sowie Kalksalze und Triglyceride an. Das Ganze bildet eine feste Masse, die den Blutfluss behindert. Der durch die Verengung erhöhte Blutdruck verstärkt diese Entwicklung. Die Kalksalze führen zu einer Verhärtung der Blutgefäße. Mangelnde Elastizität erhöht wiederum den Blutdruck.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 26.11.2009

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