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Korrekte Blutdruckmessung

Die Blutdruckmessung ist der Grundpfeiler für die Diagnose, das Management und die Therapie der arteriellen Hypertonie. Neben der indirekten Messung des Blutdrucks durch den Arzt ("Gelegenheitsmessung" oder "Praxismessung") haben sich Selbst-Messungen unter häuslichen Bedingungen (Selbstmessung), während der normalen Alltagsaktivitäten und im Nachtschlaf (ambulante 24-Std.-Blutdruckmessung, ABDM, LZ-RR-Messung) und die Messung während ergometrischer Leistung (Belastungs-EKG mit Blutdruckmessungen) zu wichtigen und unverzichtbaren zusätzlichen Messmethoden entwickelt. Es ist wünschenswert, dass die Gelegenheitsmessung durch die Blutdruckselbstmessung oder ambulante 24-h Blutdruckmessung ergänzt wird. Blutdruckwerte unter standardisierten, ergometrischen Belastungen (häufig im Rahmen von anderen Fragestellungen - wie z.B. KHK-Diagnostik - erhoben) können nützliche prognostische und therapeutische Zusatzinformationen liefern.

Auswahl des Meßgerätes

Nur sehr wenige der auf dem Markt angebotenen Geräte wurde einem unabhängigen klinischen Prüfungsprozeß unterzogen und nur wenige Geräte erfüllen die notwendigen Genauigkeitskriterien. Die EU empfiehlt daher, dass die Geräte einem international etablierten Validierungsprotokoll unterzogen werden sollten:

Eine Zusammenstellung von klinisch validierten und empfohlenen Geräten findet sich im Internet bei - Prüfsiegel der Hochdruckliga - .

Die rein mechanischen Geräte, die von Hand aufgepumpt wurden und bei denen über ein in der Manschette eingearbeitetes Stethoskop die Korotkoff-Geräusche vom Patienten gehört werden mußten (Methode nach Riva-Rocci ), wurden schrittweise abgelöst durch oszillometrisch messende Vollautomaten, bei denen auf Knopfdruck ein vorbestimmter Manschettendruck erzeugt wird und nach automatischem Druckablass systolischer und diastolischer Blutdruck und Herzfrequenz digital angezeigt werden und Abspeicherungen möglich sind. Zu bevorzugen sind Geräte für die Messung am Oberarm, da sich aufgrund physiologischer Veränderungen die Pulswelle am Handgelenk und Finger ändert und zunehmend variabel wird. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass bei Handgelenks- und Fingergeräten sich der Messpunkt oft nicht auf Herzhöhe befindet und somit Unter- (Manschette zu hoch) oder Überschätzungen (Manschette zu tief) resultieren. Von Fingergeräten wird prinzipiell abgeraten. Einige wenige Handgelenksgeräte haben klinische Genauigkeitsprüfungen bestanden und bieten z.T. sinnvolle, erweiterte Optionen an (Speichermöglichkeit, Positionssensor).

Richtige Armposition, welcher Arm

Der Messpunkt sollte grundsätzlich auf Herzhöhe sein. Wenn bei sequentiellen Messungen an beiden Armen ein Blutdruckunterschied bestehen bleibt, so sollte fortan an dem Arm mit dem höheren Blutdruck gemessen werden und bei Differenzen > 20/10 mmHg eine Untersuchung der Durchblutungssituation der Extremitäten erfolgen. Der Blutdruck sollte in sitzender Position unter Beachtung der richtigen Armposition (s.o) ermittelt werden.

Auswahl der korrekten Blutdruckmanschette

Bei zunehmender Adipositas (Übergewichtigkeit) in den Industriestaaten wird die Problematik der Blutdruckmessung bei Adipositas immer größer. Der häufigste Fehler bei der Wahl der richtigen Blutdruckmanschette, insbesondere bei Adipositas, ist das sogenannte "Undercuffing", d.h. die Blutdruckmanschette (aufblasbarer Gummiteil) wird, bezogen auf den Oberarmumfang, zu klein gewählt. Hieraus resultiert eine Überschätzung des tatsächlichen Blutdrucks bis zu 30 mmHg (d.h. es werden höhere Werte gemessen, als tatsächlich vorhanden sind). Wenn die Blutdruckmanschette, bezogen auf den Oberarm, zu groß gewählt wird ("Overcuffing"), resultiert eine Unterschätzung des tatsächlichen Blutdrucks mit einem Fehler von bis zu 10-30 mmHg (d.h. es werden niedrigere Werte gemessen, als tatsächlich vorhanden sind). Für die Gelegenheitsmessung durch den Arzt, die ambulante 24-h Blutdruckmessung und auch für die Selbstmessung werden vom Hersteller in der Regel verschieden große Blutdruckmanschetten in Abhängigkeit vom Armdurchmesser angeboten. In Abhängigkeit vom Oberarmumfang werden folgende Manschetten (aufblasbarer Teil der Gummimanschette, Breite x Länge) empfohlen:

Unter 24 cm: 10x18 cm
24-32 cm: 12-13x24 cm
33-41 cm: 15x30 cm
Über 41 cm: 18x36 cm

Patientenanleitung

Patienten, die ihren Blutdruck zu Hause selbst messen sollen, sollten eine ausführliche Einweisung in die Meßtechnik erhalten, am besten im Rahmen eines strukturierten Hypertonie-Schulungsprogramms. Der Erfolg sollte wenigstens einmal nach 2-3 Wochen sowie nach 6-12 Monaten kontrolliert werden ist. Häufige Fehler sind eine falsche Positionierung von Manschette oder Mikrophon, ein zu rascher Druckablaß aus der Manschette, Nachpumpen oder zu rasche Meßwiederholung. Bezüglich der Messtechnik gelten die gleichen Empfehlungen wie bei der Praxismessung. In größeren, z.B. jährlichen Abständen empfiehlt sich eine Überprüfung von Gerät und Meßtechnik durch den betreuenden Arzt oder seine Helferin. Der Patient sollte zumindest in der Anfangsphase der Betreuung den Blutdruck täglich morgens und abends messen und die Werte dokumentieren. Nur so ist eine genaue Zuordnung der Blutdruckveränderungen zu Änderungen der Therapie, physischen und psychischen Belastungen, Körpergewicht, Kochsalzzufuhr und anderen Einflußgrößen möglich. Da der Blutdruck starken tageszeitlichen, aber auch jahreszeitlichen Schwankungen unterlegen ist, ist es wichtig, ein einheitliches Messprotokoll festzulegen.

Die Messungen sollten morgens zwischen 6.00 und 9.00 h sowie abends zwischen 18.00 und 21.00 h jeweils vor der Mahlzeit und vor der Einnahme von Blutdruck-senkenden Medikamenten erfolgen. Entscheidend für die Beurteilung des Schweregrades ist der Mittelwert aus mindestens 12 Messungen, die über einen Zeitraum von ca. einer Woche erhoben wurden. Zu Beginn einer blutdrucksenkenden Therapie sollten die Messungen täglich erfolgen. Sind stabile und normale Blutdruckwerte unter Therapie erreicht, genügt es, wenn an einem Tag pro Woche jeweils 2 Messungen am Abend und 2 Messungen am Morgen vor der Medikamenteneinnahme durchgeführt werden. Abzuraten von Selbstmessungen ist ängstlichen und hypochondrischen Patienten, die dazu neigen, den Blutdruck zu oft zu messen und einzelnen Werten eine zu große Bedeutung zu geben.

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