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Bluthochdruck – Definition und Einteilung

Definition

Ein krankhaft erhöhter Blutdruck, der im medizinischen Fachjargon die Bezeichnung „manifeste Hypertonie“ trägt, wird folgendermaßen definiert: Der systolische Blutdruck (erster Blutdruckwert) liegt bei 140 mmHg oder höher; der diastolische Blutdruck (zweiter Blutdruckwert) nimmt einen Wert von 90 mmHg oder höher an.

Bluthochdruck ist dann vorhanden, wenn einer der beiden Werte erhöht ist oder beide über der Norm liegen.

Voraussetzung für die Aussage „erhöhter Bluthochdruck“ ist allerdings, dass die Werte mehrmals an verschiedenen Tagen unter Standardbedingungen gemessen wurden. Mit Standardbedingungen meint man unter anderem, dass sich der Patient während der Messung in einem Zustand körperlicher und psychischer Ruhe befand.

Beobachtet werden können alle möglichen Kombinationen von systolischem und/oder diastolischem Bluthochdruck.

Ist nur der erste (systolische) Blutdruckwert erhöht, so spricht man von einer isolierten systolischen Hypertonie (= ISH). Sie kommt häufiger im höheren Alter vor. Typisch ist dafür beispielsweise ein Blutdruck von 170/80 mmHg.

Bei jüngeren Bluthochdruckkranken (Alter circa 30 bis 40) kann oft zunächst eine isolierte Erhöhung des diastolischen Blutdrucks (zweiter Blutdruckwert) beobachtet werden. Charakteristische Werte sind beispielsweise 135/105 mmHg.

Daneben trifft man natürlich auch häufig Kombinationen, bei denen beide Werte erhöht sind, bsp. 165/105 mmHg.

Bluthochdruckmythen und Grenzbereiche

Noch immer gibt es die Meinung, dass der obere Blutdruckwert nach der Faustformel 100 plus Lebensalter berechnet werden kann (Erfordernishochdruck). Diese Vorgehensweise wird heutzutage als falsch angesehen. Der Grenzwert für eine Hypertonie von 140/90 gilt ohne Altersbeschränkung („von 18 bis 80“). Den auch bei über 60-jährige Patienten wurde inzwischen der Bluthochdruck als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgewiesen, ebenso wie der Nutzen einer Bluthochdruckbehandlung.

Auch die früher als grenzwertig oder als „Grauzonen“ des Bluthochdrucks angesehenen Bereiche gibt es nicht mehr. Werte, die im systolischen Bereich zwischen 140 und 159 mmHg und im diastolischen Bereich zwischen 90 und 94 mmHg liegen, gelten heutzutage als eindeutig hyperton (= „bluthochdruckhaft“). Dies bedeutet, dass ein Blutdruck ab Werten von 140/90 behandelt werden sollte.

Man konnte in großen Studien nachweisen, dass bereits bei Patienten mit diesen grenzwertigen Bluthochdruckwerten, das kardiovaskuläre (Herz-Kreislauf betreffende) Risiko um etwa 50 Prozent gegenüber Menschen mit normalem Blutdruck (Normotoniker) erhöht ist.

Einteilung

Im Laufe der letzten 20 bis 30 Jahre wurden eine Vielzahl von Einteilungen der chronischen Hypertonie vorgeschlagen. Sie gingen vom systolischen oder diastolischen Blutdruckwert oder von beiden Werten aus.

An dieser Stelle werden mehrere Einteilungsschemata vorgestellt.

An den gemessenen Blutdruckwerten (beide Werte) orientiert sich die Einteilung des Joint National Committee on Detection, Education, and Treatment of High Blood Pressure (JNC). Es stimmt weitestgehend mit der Klassifikation nach Blutdruckwerten (mmHg) überein, deren Quellen die Deutsche Hochdruckliga e.V. und Deutsche Hypertoniegesellschaft sind.

Kategorie
systolischer Wert (mmHg)
diastolischer Wert (mmHg)
 
 
 
(optimal
< 120
< 80)
normal
120 - 129
80 - 84
„hochnormal“
130 - 139
85 - 89

Stadium (Schweregrad) 1
milde od. leichte Hypertonie

140 - 159
90 - 99

Stadium (Schweregrad) 2
mittelschwere Hypertonie

160 - 179
100 - 109

Stadium (Schweregrad) 3
schwere Hypertonie

180 - 209
110 - 119

Stadium (Schweregrad) 4
sehr schwere Hypertonie

≥ 210
≥ 120

Krise (kritische Blutdrucksteigerung)

>230
> 130

isolierte systolische Hypertonie

≥ 140
< 90

Wenn systolischer (oberer) und diastolischer (unterer) Blutdruckwert bei einem Patienten in unterschiedliche Klassen fallen, erfolgt die Einteilung in die höhere Klasse.

Daneben kann die Hypertonie auch noch anhand eingetretener Organschädigungen nach Schweregraden vorgenommen werden. Hier gilt die Einteilung der WHO (World Health Organisation) / ISH (International Society of Hypertension):

Stadium I

Hypertonie ohne Organveränderungen

Stadium II

Hypertonie mit leichten Organveränderungen:

  • linksventrikuläre Hypertrophie des Herzens (linkseitige Vergrößerung des Herzens im Bereich der Herzhauptkammer),
  • Retinopathie Stadium I oder II = Fundus hypertonicus (= Gefäßveränderungen an der Netzhaut des Auges, in der Regel keine Sehschäden),
  • Proteinurie ((erhöhte) Eiweißausscheidung über den Urin).
Stadium III

Hypertonie mit schweren Organschäden:

  • Linksherzinsuffizienz (Herzschwäche mit Lungenstauung),
  • Retinopathie Stadium III oder IV = hypertensive Retinopathie (weitergehende Schädigung im Augenbereich, die zur Minderung der Sehschärfe und Ausfällen im Gesichtsfeld führen kann),
  • cerebrale Komplikationen (bsp. Hirnmassenblutung),
  • Niereninsuffizienz (= Nierenschwäche oder –unterfunktion).

Aus der Perspektive ärztlichen Handelns besitzt vor allem ein Blutdruck > 140/90 mmHg praktische Bedeutung, da er Anlass für eine weitere Abklärung, Diagnostik und eventuell für eine medikamentöse Therapie gibt.

Bei der malignen Hypertonie (siehe Kapitel maligne Hypertonie) und einer hypertensiven Krise (siehe entsprechendes Kapitel) muss eine medikamentöse Behandlung sofort im Krankenhaus erfolgen!

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 26.11.2009

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