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Das richtige Medikament (für jeden)

Damit Ihr behandelnder Arzt schnellstmöglichst das richtige Medikament zur Blutdruckbehandlung auswählen kann, muss er alle nötigen Informationen erhalten. Dazu zählen:

Liegen alle benötigten Informationen vor und der Patient leidet an einem unkomplizierten Bluthochdruck, so gibt es einige Prinzipien, nach denen die Auswahl eines oder mehrerer Medikamente erfolgt. Unter einem "unkomplizierten Bluthochdruck" versteht man einen Blutdruck, bei dem keine schwerwiegenden weiteren Erkrankungen, wie Herzschwäche, Augenerkrankungen, Nierenerkrankungen, koronare Herzerkrankungen oder sonstige typische Komplikationen einer Hypertonie vorliegen.

Auswahlprinzipien der Medikamente bei einem unkomplizierten Bluthochdruck

  1. Sehr gut ist es, wenn die Bluthochdrucktablette nur einmal am Tag eingenommen werden muss. Dies erleichtert die Einnahme und führt zu einer verbesserten Therapietreue des Patienten. Da das Mittel über 24 Stunden wirkt, werden auch Blutdruckschwankungen während des Tages vermieden.
  2. Eine Behandlung, bei der möglichst wenige Nebenwirkungen auftreten, wird bevorzugt.
  3. Bei gleicher Wirksamkeit und gleicher Verträglichkeit bevorzugt man das günstigere Medikament.
  4. Man beginnt mit einer niedrigen Dosierung, beispielsweise mit einer halben Tagesdosis.
  5. Nach einer gewissen Zeit kann - in Abhängigkeit vom Medikament - die Dosis auf die empfohlene Tagesdosis gesteigert werden, falls sich der gewünschte Effekt noch nicht eingestellt hat. Dosierungen, die darüber hinaus gehen, sollten nicht vorgenommen werden.
  6. Bringt ein Medikament - trotz erreichter Tagesdosis - nicht den gewünschten Effekt, so geht man auf eine Kombinationstherapie über. Die Dosierung des zweiten Medikaments wird auch langsam gesteigert. Wenn möglich, sollten beide Medikamente in einer Fixkombination verabreicht werden. (Bei der Hinzunahme eines zweiten Medikaments und nicht sofortigem Beginn einer Kombinationstherapie kann man einzelne unerwünschte Nebenwirkungen besser den einzelnen Medikamentenklassen zuordnen).
  7. Wird ein Mittel nicht vertragen oder es kommt zu starken Nebenwirkungen, so setzt man das Mittel ab und probiert eine andere Substanzklasse aus.
  8. Bei einem Arztbesuch sollte idealerweise sofort der nächste Kontrolltermin festgelegt werden und der Patient mit genügend Medikamenten, die bis dahin ausreichen, versorgt werden.

Bevorzugte Medikamente für bestimmte Personengruppen

Je nach Personengruppen sind einige Medikamentenklassen besonders empfehlenswert und andere nicht. Hier eine Auflistung:

Auswahl der Medikamente bei bestimmten Begleit- und Folgeerkrankungen ("komplizierter Bluthochdruck")

Zusätzliche Erkrankungen verkomplizieren die Bluthochdrucktherapie. Je nachdem, welche weitere Erkrankung vorliegt, bevorzugt man eine Substanzklasse, die günstige Auswirkungen auf die Begleiterkrankung hat oder zumindest diese nicht verschlimmert. Wie bei der unkomplizierten Bluthochdrucktherapie wählt man hier zunächst niedrige Dosierungen, die man steigert, und nimmt dann evtl. ein weiteres Medikament hinzu. Folgende zusätzliche Erkrankungen beeinflussen die Medikamentenwahl:

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) mit Nierenschädigung: Mittel der Wahl sind ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Antagonisten (Sartane). Bei Diabetes können auch noch Thiazide (bestimmte Diuretika) in geringer Dosierung, Antisympathotonika und Alphablocker genommen werden. Nicht empfehlenswert sind hoch dosierte Thiazide und Betablocker.

Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Meist wird ein Diuretikum (evtl. stark entwässerndes Schleifendiuretikum) verordnet, dem man dann einen ACE-Hemmer beifügt. Auch Betablocker können - individuell dosiert - gut eingesetzt werden. Negativ wirkt sich ein Kalziumantagonist vom Verapamil-Typ aus.

Herzinfarkt: Mittel der ersten Wahl sind hier Betablocker und ACE-Hemmer. Aber auch Kalziumantagonisten (Diltiazem und Verapamil) können eingesetzt werden.

Koronare Herzerkrankung (Verengung der Herzkranzgefäße) und Angina pectoris (Herzenge): Hier werden vornehmlich Betablocker eingesetzt, evtl. auch langwirksame Kalziumantagonisten (Amlodipin und Diltiazem). Negativ wirkt sich ein kurzwirksamer Kalziumantagonist vom Dihydropyridintyp (unretardiertes Nifedipin) aus.

Herzrhythmusstörungen: Betablocker und Kalziumkanalblocker (Verapamil bzw. Diltiazem) sind hier die richtige Wahl.

erhöhte Cholesterinwerte: ACE-Hemmer, Kalziumantagonisten und Alphablocker sind günstig. Nicht empfehlenswert sind manche Betablocker, da sie das gute HDL-Cholesterin reduzieren. Thiazide und Schleifendiuretika - vor allem bei hoher Dosierung - erhöhen das LDL-Cholesterin im Blut.

erhöhte Triglyceride: Empfehlenswert sind Alphablocker. Nicht immer empfehlenswert sind Betablocker und hoch dosierte Thiazide (bestimmte Diuretika).

Schilddrüsenüberfunktion: Hier kommen auf jeden Fall Betablocker zum Einsatz.

Asthma: Es werden keine Substanzklassen bevorzugt, jedoch sollten keine Betablocker eingesetzt werden.

Prostatahypertrophie (BPH, Vergrößerung der Prostata): Günstig können sich Alphablocker auf die Erkrankung auswirken.

Osteoporose: Empfehlenswert sind Thiazide.

Migräne: Bei Migräne sind bestimmte Betablocker, Kalziumantagonisten und Antisympathotonika (Clonidin) gute Mittel.

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Bei dieser Durchblutungsstörung der Beine erzielt man gute Ergebnisse mit Kalziumantagonisten wie Nifedipin. Nicht empfehlenswert sind Betablocker.

Depressionen: Eingesetzt werden können ACE-Hemmer, Thiazide und Kalziumantagonisten. Nicht empfehlenswert sind Antisympathotonika und Betablocker.

Tremor: Das Zittern der Hände bei hohem Blutdruck spricht oft gut auf Propanolol (bestimmter Betablocker) an.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 26.11.2009

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